{"id":10433,"date":"2022-12-13T13:58:58","date_gmt":"2022-12-13T11:58:58","guid":{"rendered":"https:\/\/fzmayuxbif.wpdns.site\/money-mule-finanzagenten-droht-pfaendungsbeschluss-statt-provision\/"},"modified":"2023-11-01T16:11:26","modified_gmt":"2023-11-01T14:11:26","slug":"money-mule-finanzagenten-droht-pfaendungsbeschluss-statt-provision","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kyprianou.com\/de\/money-mule-finanzagenten-droht-pfaendungsbeschluss-statt-provision\/","title":{"rendered":"Money Mule: Finanzagenten droht Pf\u00e4ndungsbeschluss statt Provision"},"content":{"rendered":"<p>Wenn mit schnellem Geld f\u00fcr wenig Arbeit geworben wird, steckt oft genug Betrug dahinter. Eine beliebte Masche, vor der die Kriminalpolizei warnt, sind das Angebot eines lukrativen Nebenjobs und Stellenausschreibungen f\u00fcr Finanzagent, Financial Agent, Finanzmanager, Treuhandagent, Finanztransaktionsmanager und noch einer Reihe anderer \u00e4hnlich hochtrabender Bezeichnungen.<\/p>\n<p>Was ein Bewerber f\u00fcr eine so qualifizierte T\u00e4tigkeit wie die eines Finanzmanagers k\u00f6nnen muss? Eigentlich nichts. Er muss ein Girokonto im SEPA-Raum haben und wissen, wie er eine \u00dcberweisung durchf\u00fchrt. Schon stehen die T\u00fcren f\u00fcr einen vermeintlich lukrativen Nebenjob weit offen. Tats\u00e4chlich stecken aber Betr\u00fcger dahinter, die nichts anderes im Sinn haben, als ihren ahnungslosen Finanzagenten als Strohmann, bzw. als sogenannten money mule f\u00fcr den Transfer von Geldern ins Ausland zu missbrauchen.<\/p>\n<p>Aufgabe des Finanzagenten oder money mule ist es, sein Girokonto f\u00fcr \u00dcberweisungen an Dritte zu nutzen. Dazu werden zun\u00e4chst Gelder auf das Konto des Finanzagenten \u00fcberwiesen, die die Betr\u00fcger zuvor von anderen Opfern z.B. durch Phishing oder betr\u00fcgerisches Fehlleiten von Zahlungsauftr\u00e4gen ergaunert haben. Der ahnungslose Finanzagent soll die eingehenden Betr\u00e4ge dann wiederum an Dritte, meist auf Konten im Ausland, transferieren. Daf\u00fcr soll er &#8222;Provisionen&#8220; zwischen 5 und 20 Prozent der \u00fcberwiesenen Betr\u00e4ge behalten d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Bei teilweise sechstelligen Zahlungseing\u00e4ngen h\u00f6rt sich das wirklich nach leicht verdientem Geld an. Doch das dicke Ende kommt zum Schluss: Der Finanzagent hat den Betrag \u00fcberwiesen und das Geld ist weg. Widerrufen die urspr\u00fcnglichen Opfer dann die \u00dcberweisung, muss der Finanzagent f\u00fcr den Schaden aufkommen. Oder der Betrag wird von den get\u00e4uschten Firmen, die rasch merken, dass das Geld nicht beim rechtm\u00e4\u00dfigen Empf\u00e4nger landete, klageweise zur\u00fcckgefordert.<\/p>\n<p>Der Finanzagent wird durch diese Betrugsmasche nicht nur um sein eigenes Geld gebracht, ihm droht auch noch eine Strafanzeige wegen des Verdachts auf (Beihilfe zur) Geldw\u00e4sche, da er dabei geholfen hat, Herkunft und Transferwege des Geldes zu verschleiern. Schon bei leichtfertiger Geldw\u00e4sche drohen Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren. Zudem kann die BaFin ein Verfahren wegen des unerlaubten Betreibens von Finanzdienstleistungen (i.e. Finanztransfergesch\u00e4fte gem. \u00a7 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 ZAG) gegen den Finanzagenten einleiten.<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig wird auch das Konto des Finanzagenten samt eigenem Guthaben durch die Staatsanwaltschaft gepf\u00e4ndet, um Regressanspr\u00fcche zu sichern. Bei einer Pf\u00e4ndung \u00fcber einen sechstelligen Betrag ist damit oftmals auch das eigene Guthaben der Finanzagenten betroffen. Denn Verf\u00fcgungen \u00fcber das eigene Geld sind w\u00e4hrend des Bestehens der Pf\u00e4ndung nur \u00fcber Guthaben m\u00f6glich, welche die gepf\u00e4ndete Forderung \u00fcbersteigen.<\/p>\n<p>Den Finanzagenten, die gutgl\u00e4ubig auf die Betr\u00fcger hereingefallen sind, droht also nicht nur ein finanzieller Verlust, sondern noch weitere rechtliche Sanktionen wie staatsanwaltschaftliche Ermittlungen, Kontopf\u00e4ndung, Zivilklage und ggfs. Bu\u00dfgelder der BaFin.<\/p>\n<p>Um Finanzagenten anzuwerben, sind die Betr\u00fcger kreativ. Neben klassischen Stellenanzeigen suchen sie ihre Opfer z.B. auch in Dating-Portalen (Romance Scam) oder nehmen pers\u00f6nlich Kontakt auf. Dabei wird auch nicht vor vorget\u00e4uschten Liebesbekundungen, Verl\u00f6bnissen und Treueschw\u00fcren Halt gemacht, um mittelbar Zugriff auf die IBAN eines Opfers zu erschleichen. Grunds\u00e4tzlich sollte auf solche Angebote mit leicht verdientem Geld sehr misstrauisch reagiert werden. Das gilt umso mehr, je verlockender die Provisionszahlungen erscheinen.<\/p>\n<p>Ist es aber zu sp\u00e4t und man ist schon Opfer der Betr\u00fcger geworden, sollte umgehend anwaltlicher Rat in Anspruch genommen werden. Einerseits, um vom eigenen Geld zu retten, was noch zu retten ist, andererseits um weitere rechtliche Konsequenzen abzuwenden.<\/p>\n<p>Der Inhalt dieses Artikels ist zum Zeitpunkt der ersten Ver\u00f6ffentlichung g\u00fcltig. Er soll als allgemeiner Leitfaden f\u00fcr das Thema gelten und stellt keine Rechtsberatung dar. Wir empfehlen Ihnen, sich in einer bestimmten Angelegenheit professionell beraten zu lassen, bevor Sie auf die bereitgestellten Informationen eingehen. F\u00fcr weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Rechtsanwalt Benjamin Hasan, Partner des B\u00fcros in Frankfurt am Main, telefonisch unter: +49 69 247 428 444 oder via E-Mail: <a href=\"mailto:benjamin.hasan@kyprianou.com\">benjamin.hasan@kyprianou.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn mit schnellem Geld f\u00fcr wenig Arbeit geworben wird, steckt oft genug Betrug dahinter. Eine beliebte Masche, vor der die Kriminalpolizei warnt, sind das Angebot eines lukrativen Nebenjobs und Stellenausschreibungen f\u00fcr Finanzagent, Financial Agent, Finanzmanager, Treuhandagent, Finanztransaktionsmanager und noch einer Reihe anderer \u00e4hnlich hochtrabender Bezeichnungen. 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